Ahlen – Der älteste Orden stammt aus dem Jahr 1688. Mit ihm beginnt das neue Buch, das der Bürgerschützenverein Ahlen über sein „Majestätensilber“ erstellt.

Das „Majestätensilber“ – seit jeher der ganze Stolz eines Schützenvereins. Die Namen, die auf den Orden einstiger Regenten eingraviert sind, überdauern Jahrzehnte. Im Fall des Bürgerschützenvereins Ahlen sogar Jahrhunderte. Der älteste Beleg an den Königsketten stammt aus dem Jahr 1688. „Seit langer Zeit hält dieser Orden, der Johann Northoff als Schützenkönig auswies, für uns als Gründungsbeleg her“, sagt Inventarienverwalter Josef Ostermann . „Doch seit den Forschungen zum 325-jährigen Bestehen unter maßgeblicher Mitwirkung des Stadtchronisten Jürgen Rheker wissen wir, dass die Wurzeln unseres Vereins noch viel tiefer reichen.“ So stehe heute fest, dass sich die Bürgerschützen ursprünglich aus der früheren Dreikönigsbruderschaft Ahlen formierten. Diese Bruderschaften, auch Landwehren genannt, hatten die Aufgabe, die Stadt zu verteidigen und die Stadtmauern zu sichern. Und dass zu allem Ernst auch die Geselligkeit gehört, wussten die Schützen schon damals, wie Rechnungen über gestiftete Bierfässer zeigen.

Oberleutnant Matthias Hartleif, Oberst Frank Beier und Susi Dreismickenbecker

Ehrenvorsitzender Hauptmann Bernd Schulze Beerhorst (v.l.), Oberst Frank Beier, Vorsitzender Hauptmann Horst Schenkel und Susi Dreismickenbecker

Josef Ostermann, der das Amt des Inventarienverwalters von seinem Vater Theo übernommen hat, schwebte schon lange vor, die schmucken Orden des Vereins in Buchform zu dokumentieren. Die Tatsache, dass das Vereinsleben durch die Corona-Pandemie in weiten Teilen „auf Eis“ liegt, hatte für den eigens einberufenen Arbeitskreis einen entscheidenden Vorteil: „Wir konnten das Projekt in Ruhe nach vorne bringen“, so Ostermann. Durch die finanzielle Unterstützung aus dem städtischen Fonds für bürgerschaftliches Engagement gelingt es nun, aus den Forschungsergebnissen ein ansehnliches Ordensbuch zu erstellen. Ein Novum im heimischen Schützenwesen. Noch nie zuvor wurden sämtliche Objekte aus einem Zeitraum, der mehrere Jahrhunderte umspannt, in diesem Umfang beleuchtet. Auch den ehemaligen Vorsitzenden und ehrenamtlichen Denkmalpfleger Bernd Schulze Beerhorst konnte Ostermann zur Mitarbeit gewinnen. Das Ordensprojekt stieß mittlerweile auf überörtliches Interesse. Das WDR-Fernsehen begleitete den Arbeitskreis einen Abend und will in nächster Zeit darüber in der „Lokalzeit Münsterland“ berichten.

„Der Bürgerschützenverein Ahlen hat das große Glück, neben Listen und Protokollen auch handfeste, teils kunstvolle Belege seines Werdens und Wachsens vorweisen zu können“, weiß Bürgermeister Dr. Alexander Berger, der sich über die Fortschritte informiert hat. „Es tauchen mitunter Familiennamen auf, die bis heute in Ahlen und Umgebung geläufig sind, während andere verschwanden. Namen von bedeutenden Persönlichkeiten und Amtsträgern finden sich hier. Die Orden spiegeln somit auch ein gewichtiges Stück Stadtgeschichte wider.“
In jüngerer Zeit haben sich die Regenten nicht nur mit ihrem Namen einen Platz in der Schützenhistorie gesichert, sondern auch sehr viele Gedanken über Symbolik und Optik gemacht. Manchmal werden Berufe oder Leidenschaften aufgegriffen, manchmal markante Gebäude der Wersestadt. Dort, wo es möglich war, haben die Autoren des Buches in Worte gefasst, was genau die Ordensintention war.

Und auch das bezeugt die Ordenschronik: Jahre ohne Festfeiern – bedingt durch Kriegs- und Notzeiten oder angesichts politischer Verordnungen wie dem Zwangs-Zusammenschluss der Ahlener Schützenvereine im Dritten Reich – hat es immer wieder gegeben. Die Corona-Pandemie als größte Zäsur der Neuzeit bleibt da nicht unerwähnt. Die Einschränkungen des gewohnten Vereinslebens gehören ebenso zur Geschichte, wie bei vielen anderen Gemeinschaften auch, die sonst vom Miteinander und dem ungezwungenen Zusammenkommen geprägt sind.