Die dritte Kompanie des Bürgerschützenvereins Ahlen seit 1688  umfasst traditionell die Zivilschützen. Gemessen an ihrer Zahl bilden sie die größte Kompanie, auch wenn sie im Festgetümmel oft weniger ins Auge stechen. Militärisch betrachtet, also von der Anzahl ihrer Offiziere, stellen sie die bescheidenste Einheit innerhalb des Schützenbataillons dar.

Hauptmann Norbert Deitermann, Befehlshaber der dritten Kompanie, ist es gerade deswegen ein Anliegen, das Zusammengehörigkeitsgefühl seiner Truppe zu stärken. Daraus entwickelte sich die Idee, regelmäßig zu einem Kompaniekonvent einzuladen, um sich über aktuelle Situationen und den Ablauf des Schützenmarsches innerhalb der Ehrenformation der Offiziere auszutauschen. Diese Zusammenkunft ging vor wenigen Monaten ein erstes Mal über die Bühne und hat einen derart großen Anklang gefunden, dass sich Fahnenjunker Sebastian Wels bewogen fühlte, das nächste Treffen dieser Art auf Haus Kentrop auszurichten.

Dafür musste das Offizierskorps die Ahlener Gefilde verlassen und strategisch über die Lippe auf Hammer Gebiet übersetzen. Der Blick über den Tellerrand der Wersestadt lohnte sich: Bei Kaltgetränken – nicht nur Mineralwasser wurde serviert – und einem frischen Steak sowie anderen Gaumenfreuden wurde in außergewöhnlicher Umgebung über das zukünftige Vorgehen der Ehrenformation „gestritten“.

Angefeuert wurde die Diskussion sogar sinnbildlich, denn während des Austausches loderte ein Lagerfeuer. Das Ganze glich im parkähnlichen Gelände eher einem Abenteuer als einem Konvent. Doch Hauptmann Deitermann konnte viele Anregungen mitnehmen.

Beschlossen wurde, in der Nach-Corona-Zeit ein Schießtraining in einem eher jagdlich angehauchtem Simulator zu absolvieren. Mehr noch: Diese Zusammenkunft stärkte tatsächlich die Kameradschaft unter den Offizieren der dritten Kompanie. Die nächste Einladung ließ nicht lange auf sich warten. Sie wurde von Leutnant Gordon Waldmann ausgesprochen.

Mit einer schlichten Zeremonie hat eine Abordnung aus allen Gliederungen des Bürgerschützenvereins einen Kranz zur Ehrung der Gefallenen und Verstorbenen des Vereins am Kriegerehrenmahl niedergelegt. Statt der üblichen Abnahme des Bataillons auf dem Marktplatz gab es, angesichts der Corona – Pandemie,am Fronleichnamstag einen kleinen Aufmarsch des Offizierskorps in Uniform und mit Schützenhut – natürlich unter Einhaltung der geltenden Abstandsregeln. Die Monarchin Kristina Lützow verfolgte mit ihrem König Thomas Klotz die Zeremonie.  Beide leiteten mit dem Graderücken der Kranzbänder das dann nunmehr zweite Jahr Ihrer  Amtszeit als Majestäten des Bürgerschützenvereins ein.

Oberleutnant Holger Steinhoff und Hauptmann Peter Grebenstein trugen den Kranz, mit dem der Bürgerschützenverein Ahlen seine gefallenen und verstorbenen Mitglieder ehrt. Es war der einzige Programpunkt, der trotz Corona stattfinden konnte.

Normalerweise  hätten wir Bürgerschützen am Fronleichnamstag 2020 den Nachfolger von seiner Majestät Thomas Klotz an der Schützenstange ausgeschossen. Doch wie alle anderen Vereine im Lande wurden auch wir Grünröcke gezwungen, unser diesjähriges Hochfest ausfallen zu lassen. Verbundenheit zeigen wir aber dennoch, denn zahlreiche Schützenbrüder und – Schwestern folgen dem BSV-Aufruf, sich dennoch mit Uniform, Hut und Vereinsemblem ablichten zu lassen. Entstanden ist eine  bunte Collage. Eines wird dabei ganz deutlich: „Die anfängliche Trauer über die erzwungene Festabsage ist mittlerweile einer großen Vorfreude gewichen“, sagte Oberst Frank Beier. „Wir sind fest davon überzeugt, dass die Aktivitäten im Jahr 2021 einigen Anschub bekommen werden.“

Geschätzte Freunde des Ahlener Schützenwesens. Die aktuelle, sehr dynamische Entwicklung der Auswirkungen des Corona Virus hat auch unseren Bürgerschützenverein  Ahlen e.V. erreicht.

Täglich werden wir mit neuen Hiobsbotschaften konfrontiert und wir brauchen alle Kraft und Energie unseren Alltag zu bewältigen. Viele Menschen kommen aktuell an die Grenze ihrer Belastbarkeit und werden vor gravierende Probleme gestellt.

Auch unser Verein bleibt aufgrund der Pandemie  nicht davor verschont und wir können keine verlässliche Prognose abgeben, wie sich unser Alltag in Zukunft gestaltet.

Die Auswirkungen der Corona Pandemie haben den Vorstand zu der konsequenten Entscheidung veranlasst, das Bürgerschützenfest Ahlen 2020 abzusagen.

Wir folgen somit dem Verbot der Landesregierung NRW und der Anweisung unseres Bürgermeisters Dr. Alexander Berger, bis Ende August kein Schützenfest zu feiern.

Diese Entscheidung beruht insbesondere auf der moralischen Verantwortung gegenüber den Menschen.

Uns ist bewusst, dass wir uns in schwierigen Zeiten befinden und das alle mit einer gewissen Unsicherheit auf das Jahr 2020 blicken. Nichts desto trotz sind wir guter Hoffnung, dass sich diese einschneidende Situation im zweiten Halbjahr soweit gebessert hat, das wir im November unsere Jahreshauptversammlung durchführen können.

Im Namen des Vorstandes

Horst Schenkel
1.  Vorsitzender

Feierliche Übergabe der runderneuerten Tafelfahne des Bürgerschützenvereins Ahlen an den erweiterten Vorstand: Oliver Rasfeld, Jörn Ringelkamp, Josef Ostermann, Dirk Rösner, Karsten Havighorst, Harald Ulfig, Frank Beier, Marcel Jäger, Jan Kaplan, Thomas Klotz, Peter Grebenstein, Theo Ostermann, Holger Steinhoff, Bernd Schulze Beerhorst und Horst Schenkel (v.l.).Ein undatiertes Bild aus dem Archiv des Bürgerschützenvereins Ahlen zeigt die Tafelfahne bei einem Festumzug über den Marktplatz vor dem Reisebüro Pieper; rechts das damalige Hotel Pieper. Die Aufnahme entstand vor dem Zweiten Weltkrieg, vermutlich in der Weimarer Zeit.

Neuer stellvertretender Schützenbataillonskommandeur wurde Major Hendrik Koch. Mit der Berufung Kochs wird das neue Konzept des Oberst Beier umgesetzt: Jeweils im geschäftsführenden Vorstand des Militärischen Vorstandes einen Offizier in den 50er, Einen in den 40er und Einen in den 30er Lebensjahren zu besetzen, so dass in Zukunft ein „Generationswechsel“ immer sanft vollzogen werden kann. Für seine besondere Verbundenheit mit dem Jungschützenkorps steht der neue Major seit Jahren als Gastgeber des Jungschützenfestes zusammen mit seiner Frau Aline auf seinem Hof am Kälberbach.

Adjutant des Oberst ist fortan der ehemalige Fahnenoffizier der Jungschützen Leutnant Jan Kaplan. Für Jan Kaplan war der Eintritt in den Militärischen Vorstand ein fliegender Start. Mit einer klassischen Jungschützenlaufbahn, die ihn letztendlich zum Kammerbullen machte und dem schnellen Weg des stellvertretenden Königsoffiziers auf dem Winterfest, wurde er schnell zum Fahnenoffizier der Jungschützen und zeichnete sich immer durch seinen selbstlosen Einsatz für das Jungschützenkorps aus. Die Berufung zum Adjutanten des Oberst ist in der Geschichte des BSV nicht selten ein Sprungbrett für Größeres.

Am Abend des Schützenfestfreitages kamen die Bürgerschützen im Festzelt am Südwall zum Kommers zusammen. Dabei stehen in jedem Jahr die treffsichersten Mitglieder im Mittelpunkt. Besonderen Dank sprach der neue Oberst Frank Beier seinem Amtsvorgänger Marcel Damberg für seinen Einsatz in den vergangenen Jahren aus. „Ich schenke ihm heute keine Orden, denn derer hat er ja genug“, sagte Beier mit Augenzwinkern und holte einen Füllfederhalter hervor. „Ich denke, den kannst du besser gebrauchen, denn du bist jemand, der wichtige Dinge gerne verschriftlicht.“ Der Clou bei dem Geschenk: grüne Tinte. Diese steht nicht nur symbolisch für das Schützenwesen, sondern sei in Amtsstuben nur dem höchsten Posten vorbehalten. Damit spielte der Gratulant auf Dambergs beruflichen Werdegang zum Schulleiter an. Ehefrau Britta Damberg, die in der Vergangenheit bei so vielen Terminen auf ihren Gatten verzichten musste, erhielt gleich zwei Blumensträuße – Einen von Frank Beier und Einen von ihrem Mann, was sie sichtlich rührte.

Im feierlichen Rahmen des Bürgerschützenfestes wurden die Amtsgeschäfte des Oberst Marcel Damberg als Schützenbataillonskommandeur an seinen Nachfolger Oberst Frank Beier übergeben.

Marcel Damberg, der beruflich stärker eingebunden ist als bisher, verabschiedet sich aus seiner Position die er acht Jahre innehatte. Während dieser Zeit erschoss er sich die Königswürde im Jahre 2017.  „Wir haben einen kommandierenden Oberst verloren und einen Offizier der alten Schule für die I. Kompanie wieder gewonnen.“ 

Sein Nachfolger wurde der langgediente und bisherige Major Frank Baier der mit ihm den Militärischen Vorstand die letzten Jahre geprägt hat. Ein letztes Mal kommandierte Oberst Damberg die Abnahme des Bataillons, das auf dem neu gestalteten Marktplatz Aufstellung bezog. Ein prächtiges Bild bot sich dar, als neben den Formationen die zweispännigen Jagdwagen der Throngesellschaft vorfuhren.

Der Sponton ist eine Halbpike nach Art der Hellebarde wie sie bis Anfang des 16. Jahrhunderts von Offizieren der Infanterie neben dem Degen als Paradewaffe geführt wurde. In Preußen wurde der Sponton unter König Friedrich I. um 1688 eingeführt. Er war in fast allen europäischen Heeren verbreitet. Er galt auch als Standeszeichen der Infanterieoffiziere.