Inventarienverwalter Josef Ostermann berichtete über die Entstehung der neuen Chronik

Um die Enge des Alten Ratssaals zu umgehen und sich sogar mal unter freiem Himmel zusammenfinden zu können, hatte Bürgermeister Dr. Alexander Berger den traditionellen Empfang der Ahlener Schützenvereine bewusst auf Mittrops Hof verlegt. Doch dann kam der Schnee – und das Spitzentreffen wurde doch wieder ins Innere verlegt. Dennoch bot die Diele letztlich genug Platz.

Bürgermeister empfängt Abordnungen der Ahlener Schützenvereine

„Ich weiß, Sie alle haben harte Zeiten hinter sich“, bekannte das Stadtoberhaupt. Zwei Jahre ohne Schützenfeste, ohne neue Regenten und mit wenigen kleinen Lichtblicken hatte die Corona-Pandemie den Grünröcken beschert. Umso größer seien jetzt Wunsch und Wille, „es endlich mal wieder durchzuziehen“.

Bis auf den Allgemeinen Bürgerschützenverein (ABSV), der sich zu Christi Himmelfahrt mit einem internen Treffen begnügt, wollen alle Ahlener Schützenvereine wieder ein halbwegs normales Hochfest auf die Beine stellen – und zwar an den altbekannten Terminen, was natürlich in einigen Fällen wieder Terminkollisionen zur Folge hat.

Lebendiger Beweis einer friedlichen Tradition

Die vertretenen Regenten und Vorsitzenden hielten ebenfalls nicht hinterm Berg, dass die Kosten für die Ausrichtung zum Teil enorm gestiegen seien. Zelte, Bands und Caterer verlangten deutlich mehr als noch vor zwei Jahren. Hinzu komme die nötige Prüfung von Schießständen und Vogelstangen, die ebenfalls einen Kostenfaktor ausmachen. „Ich würde vorschlagen, dass wir in diesem Punkt gemeinsam ein Konzept erarbeiten“, sagte Dietmar Kupfernagel (Schützengemeinschaft Ahlen). Möglicherweise ließe sich durch ein geschlossenes Auftreten als Arbeitsgemeinschaft doch noch Kosten sparen.

Für Hans Droste aus Dolberg war der Empfang übrigens die erste Gelegenheit, die neue „kleine Stadtschützenkönigskette“ überhaupt zu tragen. Er berichtete den Anwesenden auch über eine angeregte Vorstandsdiskussion, ob angesichts des Krieges in der Ukraine überhaupt ein Schützenfest gefeiert werden soll. „Am Ende waren alle der Meinung: ja.“ Denn die Schützenvereine seien der lebendige Beweis dafür, dass jene Traditionsvereine für gesellschaftliche Werte, Zusammenhalt und den friedlichen Gebrauch von Waffen stehen. Gleichzeitig sollen sie daran erinnern, dass die Schützen aus den alten Bürgerwehren hervorgegangen sind und ein einträchtiges Miteinander wie sie es heute pflegen, nicht selbstverständlich ist. Droste erhielt viel Applaus für seine Ausführungen.

Einen eigenen Programmpunkt gestaltete an diesem Abend der Bürgerschützenverein Ahlen. Inventarien Verwalter Josef Ostermann berichtete über die Entstehung der neuen Chronik, die jeden einzelnen erhaltenen Orden des auf 1688 datierten Vereins beleuchtet. Jede Abordnung erhielt ein Exemplar als Geschenk. Darüber hinaus warb Ostermann für die Nutzung von Fördertöpfen. „Der Neustart der Vereine nach Corona wird auch vom Land kräftig unterstützt und es sind einige Fristen verlängert worden“, sagte er. Das könne sich lohnen. So hätten die Bürgerschützen wesentliche Teile ihres Buchprojekts, eine historische Ausstellung sowie das erste Biwak seit Pandemiebeginn im vorigen Herbst in wesentlichen Teilen über Fördermittel finanziert.

Quelle: AZ, von Christian Wolff

Grüße vom Bundestagsabgeordneten Henning Rehbaum, der die Bürgerschützen regelmäßig besucht, übermittelte Hauptmann Josef Ostermann – verbunden mit der Bitte, die Förderprogramme für Vereine weiter rege zu nutzen.

Adjutant des Oberst Oberleutnant Jan Kaplan, Oberst Frank Beier. Inventarien Verwalter Hauptmann Josef Ostermann und AZ Lokal Redaktor Leutnant Christian Wolff

Analoges von gestern trifft auf Digitales von heute und morgen

chw AHLEN / DORTMUND Wer erinnert sich noch daran, als Zeitungsseiten in Blei gegossen, bevor sie gedruckt wurden? Oder als ein Taschenrechner so groß wie ein Fernseher war? „Dasa“ – die größte Arbeitswelt-Ausstellung in Deutschland – zeigt?s in Dortmund.

Der kreative Lernort für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit mit Freizeitwert war am Samstag Ziel eines Ausflugs der Offiziere des Bürgerschützenvereins Ahlen. Das heutige Ausstellungsgebäude wurde im Jahr 2000 als dezentraler Standort der Weltausstellung „Expo 2000“ mit 13 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche fertiggestellt. Weiterhin ist es ein ausgewählter Ort der Initiative „Land der Ideen“.

Abschluss im Brauhaus

Die Schützen staunten nicht nur über die Exponate aus vergangenen Arbeitswelten ganz ohne digitale Hilfsmittel, sondern auch über aktuelle technische Beispiele und Modelle der Zukunft. Dabei zeigte sich, wie sich soziale Probleme über die Jahrhunderte hinweg immer wieder mit dem Arbeitsleben verbinden. Einige Ausstellungsbereiche luden die Teilnehmer direkt zum Mitmachen ein.

Im Anschluss kehrten die Ahlener im Hövels-Brauhaus ein. „Eine gemeinsame Fahrt mit dem Bus konnten wir lange nicht unternehmen“, sagte Oberst Frank Beier. Coronabedingt war der letzte Ausflug der Abteilung unter freiem Himmel als spätsommerliche Radtour erfolgt. Nun seien die Offiziere frohen Mutes, nicht nur wieder häufiger zusammenkommen, sondern auch ein Schützenfest feiern zu können.

Quelle: AZ, von Christian Wolff

Die Ahlener Bürgerschützen waren wieder auf Tour: Oberst Frank Beier (4.v.r.) begrüßte eine Abordnung des Offizierskorps in Deutschlands größter Arbeitswelt-Ausstellung in Dortmund.

Coronamaßnahmen lassen grüßen. Zugoffizier der Jungschützen Oberleutnant Bernhard Mathew

Carsten Heitfeld löst Horst Schenkel ab

Der Bürgerschützenverein Ahlen hat einen neuen Vorsitzenden: Carsten Heitfeld ist am Dienstagabend einstimmig zum Nachfolger von Horst Schenkel gewählt worden, der sich nicht mehr zur Wahl stellte. Heitfeld ist dem Traditionsverein seit Jahren verbunden, organisierte bereits das Kinderfest, war 2014 selbst Regent und tritt nun unter der Prämisse an, den Mitgliedern durch mehr Teilhabe eine stärkere Motivation für ehrenamtliches Engagement zu schaffen.

Zum eigenen Amtsende musste Horst Schenkel allerdings passen – krankheitsbedingt. Seine Vorstandskollegen sicherten jedoch zu, die Würdigung seiner Leistungen in den vergangenen neun Jahren bei einem späteren Termin zu würdigen. Ebenfalls neu gewählt wurden anschließend Andreas Schulze Beerhorst als stellvertretender Schatzmeister und Sebastian Schroer als zweiter Kassenprüfer neben Heiner Büscher.

Zur Jahreshauptversammlung, die jetzt wieder im Forum des Stammlokals „Chagall“ abgehalten werden konnte, hatte Vize-Vorsitzender Holger Steinhoff zuvor auch den Ehrenvorsitzenden Bernd Schulze Beerhorst sowie die „Dauermajestät“ Thomas Klotz begrüßt. In einer Schweigeminute erinnerte er an die verstorbenen Kameraden Dr. Walter Mentrup und Franz Nahrath.

Dass nach zweijähriger Pause von Fronleichnam an wieder ein Schützenfest gefeiert werden kann, ist für die Aktiven inzwischen sicher. „Alle sollten sich rechtzeitig einer Uniformanprobe unterziehen, da der eine oder andere coronabedingt abgenommen hat“, flachste Holger Steinhoff. Aktuell hat der Bürgerschützenverein 427 Mitglieder. „2012 waren es noch über 500“, erinnerte Schatzmeister Thomas Klotz im Jahresbericht. Da die meisten Neumitgliedschaften an Schützenfesttagen besiegelt werden, seien die Ausfälle der vergangenen zwei Jahren betrüblich gewesen. „Hinzu kommt, dass wir 2021 mehr Sterbefälle als in den Vorjahren verzeichnen mussten.“ Mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung wurde dem Vorstand Entlastung erteilt.

Eine Diskussion entwickelte sich darüber, ob der Jahresbeitrag komplett, nur zur Hälfte oder gar nicht eingezogen werden sollte. „Ich gebe zu bedenken, dass das kommende Fest einiges mehr kosten wird als sonst“, so Klotz. Andererseits, betonte Olaf Rittmeier, dürfte ein gemeinnütziger Verein keine Reichtümer anhäufen. Patrick Sunderkemper warb dafür, die Chance zu nutzen, kostenintensive Projekte umzusetzen. Letztlich sprachen sich die Schützen mit breiter Mehrheit dafür aus, den Beitrag regulär einzuziehen. Eine stattliche Summe werde ohnehin in eine Sachspende – zwei Fahnen – für einen Schützenverein in der Hochwasserregion Ahrweiler investiert.

Die Berichte aus den Gliederungen fielen angesichts weniger Termine eher mager aus. Die aktuell 33 Mann starke Königskompanie sei immerhin zum Martinsgansessen zusammengekommen, warte aber dringend auf „Nachwuchs“, so Sprecher Bernd Schulze Beerhorst. Die Offiziere, für die Oberst Frank Beier sprach, konnten auf ein gemeinsames Biwak mit den Jungschützen, regelmäßige Stammtische im Lokal Geisthövel und einen Frühjahrsausflug verweisen. Für Pfingstdienstag stehe wieder eine Offiziersversammlung an. „Wir leben von der Teilnahme und nicht von Menschen, die auf irgendeiner Liste stehen“, sprach Heiner Gosda für die Jungschützen, die am 11. Juni alle Mitglieder zu ihrem Fest auf Hof Bolsenkötter einladen. Für 2023 sei eine Fahrt nach Berlin geplant. Außerdem gebe es einen Personalwechsel: Bernhard Mathew gibt sein Amt als Zugoffizier an Julius Heuser weiter. „Der Spieß bekommt außerdem einen Stellvertreter, so dass wir da künftig eine Doppelspitze haben“, so Gosda.

Grüße vom Bundestagsabgeordneten Henning Rehbaum, der die Bürgerschützen regelmäßig besucht, übermittelte schließlich Josef Ostermann – verbunden mit der Bitte, die Förderprogramme für Vereine weiter rege zu nutzen.

Carsten Heitfeld (l.) löst Horst Schenkel (r.)als 1. Vorsitzenden ab

Der neue Vorsitzende Carsten Heitfeld (6.v.l.) setzt auf ein eingespieltes Team – hier im erweiterten Vorstand des Bürgerschützenvereins Ahlen mit Schießhauptmann Patrick Sunderkemper, Schriftführer Hendrik Westhölter, Presseoffizier Dirk Rösner, Sprecher der Königskompanie Bernd Schulze Beerhorst, Hauptmann der Jungschützen Heiner Gosda, 2. Vorsitzender Holger Steinhoff, Schatzmeister Thomas Klotz, Justiziar Karsten Havighorst, 2. stelllv. Schriftführer Peter Grebenstein, Quartiermeister Lennart Hartmann, Inventarienverwalter Josef Ostermann und Oberst Frank Beier (v.l.).

„Ich nehme die Wahl an“. Carsten Heitfeld neuer 1. Vorsitzender neben dem Quartiermeister Lennart Hartmann

Schießhauptmann Patrick Sunderkemper warb dafür, die Chance , kostenintensive Projekte umzusetzen

Hauptmann der Jungschützen Heiner Gosda „Wir leben von der Teilnahme und nicht von Menschen, die auf irgendeiner Liste stehen“

Oberleutnant Bernhard Mathew gibt sein Amt als Zugoffizier…

….an Spieß Julius Heuser weiter. Jungschützenkönig wird Zugoffizier der Jungschützen.

Viele frühe Episoden aus der Geschichte des Bürgerschützenvereins Ahlen kamen erst zum 125-jährigen Bestehen als Licht. So fand Stadtchronist Jürgen Rheker handfeste Hinweise darauf, dass die Wurzeln der Gemeinschaft viel weiter als ins Jahr 1688 zurückreichen.

Doch der Blick ins Archiv weist auch in jüngerer Zeit eine Lücke auf, die zwar dank der Zeitungs- und Dokumentenarchive des Vereins weitgehend geschlossen werden kann, aber dennoch weitere Forschungen nötig macht. Es geht um ein fehlendes Buch in aufwendigem Einband, das viele Details über die Ahlener Schützengeschichte parat hält. „Im Jahr 1927 verfasste der damalige Vorsitzende August Schimmel eine Chronik der Bürgerschützen, in der er immer wieder aus einem Buch mit Protokollen zitiert, das uns leider nicht mehr vorliegt“, berichtet Theo Ostermann, der die Verwaltung der Inventarien inzwischen seinem Sohn Josef übertragen hat. Doch der Verbleib der sogenannten Schimmel-Chronik lässt den Ahlener dennoch nicht los. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses Buch vernichtet worden ist.“ Erste Spuren hat der Senior gemeinsam mit seinem Sohn schon verfolgt. „Schimmel war eine bekannte, sehr geachtete Persönlichkeit in der Stadt, der in vielen Vereinen aktiv war.“

Am 17. April 1933 ist August Schimmel im Alter von 62 Jahren „nach kurzer schwerer Krankheit in einem Krankenhaus zu Dortmund“ verstorben, ist in einer Traueranzeige zu lesen, die kurz darauf in der „Ahlener Volkszeitung“ erschienen ist. Zu diesem Zeitpunkt muss sich das Buch noch im Besitz des früheren Vorsitzenden befunden haben. Theo Ostermann vermutet, dass es mitsamt des Nachlasses an die Verwandten gegangen ist, die allesamt nicht in Ahlen wohnten. „Schimmel hatte keine Kinder“, hat der frühere Inventarienverwalter in Erfahrung gebracht. In der Anzeige werden die Familien Ewald Schimmel, Theodor Turck und Adolf Luckhaus erwähnt – ebenso die Orte Ronsdorf, Hannover, Radevormwald, Wuppertal-Elberfeld und Dortmund. Irgendwo dort müsse demnach auch das besagte Buch stecken.

Die aufschlussreiche Anzeige in den Händen zu halten, war für Theo und Josef Ostermann nicht selbstverständlich. Denn sämtliche „AV“-Ausgaben des Jahres 1933 sind in Ahlen nicht mehr vorhanden. Originale gibt es auch nicht im Warendorfer Kreisarchiv, aber kurioserweise eine bislang nicht erfasste Sammlung auf Mikrofilm. Wer sie wann anfertigen ließ, ist unklar. Hilfestellung bei der Recherche leistete dabei Kreisarchivar Dr. Knut Langewand, der Scans anfertigen ließ.

Eigentlich sollte an diesem Samstag, 15. Januar, der traditionelle Winterball des Bürgerschützenvereins Ahlen in der Stadthalle gefeiert werden. Doch zum zweiten Mal ließ die Corona-Pandemie den Organisatoren keine andere Wahl, als das Ereignis abzusagen. In Zeiten, in denen es schwierig ist, das Vereinsleben zu gestalten, hat der Bürgerschützenverein bereits eine Reihe von alternativen Mitteln genutzt, um damit nicht nur Mitglieder, sondern alle interessierten Bürger anzusprechen, wobei Sinn und Zweck dieses Brauchtums nicht in Vergessenheit gerät. Zuletzt gab es eine Ausstellung im Saal der Gaststätte Geisthövel. Im Vorjahr wurde ein Buch über das Schützensilber veröffentlicht, daneben sind weitere Ausstellungen und Veröffentlichungen wie in dieser Zeitung vorgesehen. Die berechtigte Hoffnung, im Sommer erneut auf einen Holzadler anlegen zu können und endlich einen Nachfolger für den noch immer amtierenden Regenten Thomas Klotz zu finden, besteht unverändert. 

Text: Christian Wolff

Dr. Walter Mentrup

Wer Dr. Walter Mentrup kannte, wusste genau, dass ihn so schnell nichts erschüttern konnte. Hürden und schwere Schicksalsschläge wie der Verlust seiner geliebten Frau Ida brachten den aktiven Ahlener zwar ins Wanken, doch gänzlich umhauen ließ er sich nicht. Nur ganz zum Schluss musste er zugeben, dass ihn die Kräfte verließen.  Am Freitag ist Mentrup im Alter von 89 Jahren verstorben.

„Ich bin nicht mehr der alte Walter“, gestand er Mitte November mit angeschlagener Stimme, als er sich zum letzten Mal telefonisch in der Redaktion meldete, um das Fehlen der Beilage „Prisma“  in seiner Tageszeitung zu melden. Solange er konnte, hatte er seine „grünen Hobbys“ wie Jagd- und Schützenwesen gepflegt. „Stubenhocker“ sein – das war ganz und gar nicht sein Ding. Unzählige  Jagdhornbläser hat der frühere Hegeringsleiter ausgebildet. Generationen nannten ihn einfach nur „Doktor“.

Mentrup lernte schon früh, unmittelbar nach  dem Besuch der Volksschule, das jagdliche Brauchtum kennen. Sein Vater Heinrich nahm ihn dabei unter seine Fittiche. Zur Familie gehörten außerdem ein Bruder und zwei Schwestern. Nach dem Abitur begann Walter Mentrup ein Betriebswirtschaftsstudium und promovierte. Beruflich war er in den folgenden Jahrzehnten bei der Firma Krupp aktiv – bis zu seiner Pensionierung.

Seit dem Erwerb des Jagdscheins schärfte „Doktor“ den ihm typischen „Instinkt für Wild“ in der Bauerschaft Oestrich, später ebenso in Gerlos (Österreich). Zugleich wuchsen seine Verdienste auf dem Gebiet des Signalblasens.

Bis 1952 gab es in Ahlen nur einen Jagdhornbläser – den Förster Fischer, der in Diensten des Barons von Boeselager stand. 1953 änderte sich das: In der Gaststätte Quante wurde die erste Jagdhornbläsergruppe gegründet. Sie bestand aus fünf Bläsern, die auf den Treibjagden in den Ahlener Revieren ihre Signale ertönen ließen. Diese dienen vor allem der Orientierung der Jäger im Gelände, aber auch der Jagdkultur.

In den Jahren 1957/58 stellte Dr. Walter Mentrup fest, dass in der Wersestadt noch eine weitere Bläsertruppe übte. Es gelang ihm, diese beiden Gruppen zusammenzufügen und zu erweitern. Im Laufe der Zeit wuchs die Gruppe auf 14 Bläser an und startete auch auf Kreis- und Landesebene.

Im Jahr 1969 errang Dr. Walter Mentrup die Königswürde im Bürgerschützenverein Ahlen. Zur Mitregentin wählte er Renate Wältermann. Seine Schießkünste sicherten ihm darüber hinaus so manche Plakette. Beim Kommers stellten seine Schützlinge aus den Bläserreihen immer wieder ihr Können unter Beweis.

Auch die drei Söhne – Winfried, Andreas und Thomas Mentrup – sind dem „grünen Hobby“ ihres Vaters eng verbunden geblieben. Sogar mit dem Enkel ging Dr. Walter Mentrup später noch zur Jagd und gab die jahrzehntelange Erfahrung gerne weiter.  Im hinteren Teil der Gaststätte „Lindenhof“, direkt neben einem Wohnhaus an der Weststraße 88, hielt Walter Mentrup regelmäßig die Probentermine ab. 

Die enge Verbindung zu „seinen“ Schützen ließ sich Mentrup bis zuletzt nicht nehmen. Schon von schwerer Krankheit gezeichnet besuchte er im November 2021 das Martinsgansessen im Kreise der ehemaligen Majestäten. Es war sein letzter öffentlicher Termin, bei dem er selbst eine gewisse Abschiedsstimmung aufkommen ließ. Er war sich bewusst, dass ihn die Erkrankung bald doch „umhauen“ würde. wie er sagte. Mit einem letzten „Horrido“ werden ihn in diesen Tagen sicher so manche Familienmitglieder, Freunde und Wegbegleiter ehren.

Dr. Walter Mentrup

Dr. Walter Mentrup

Text: Christian Wolf

In Zeiten, in denen es pandemiebedingt schwierig ist, das Vereinsleben zu gestalten, möchte der Bürgerschützenverein Ahlen mit einer Reihe von Vorträgen über das berichten, was das Schützenwesen ausmacht, und damit nicht nur Mitglieder, sondern alle interessierten Bürger ansprechen.
„Leider sind in den vergangenen Jahren viele Veranstaltungen – so auch die Schützenfeste – ausgefallen“, bedauert Inventarienverwalter Josef Ostermann. „Damit fehlt auch ein wichtiger Baustein des Miteinanders.“

Am Sonntag, 28. November, lädt der Hauptverein ab 14 Uhr in die Gaststätte Geisthövel ein. Bis etwa 18.30 Uhr wird es Kaffee, eine Kleinigkeit zu essen (so lange der Vorrat reicht) und einige Ausstellungsstücke zur Geschichte des Vereins geben. „Wir haben erstmal seit langer Zeit wieder die originale Königskette von 1688 hervorgeholt, daneben Fotobücher und eine Auswahl historischer Ansichten“, so Ostermann. Viele Exponate seien Leihgaben aus den Familien der Könige und Vereinsmitglieder.

Unter der Federführung von Oberst Frank Beier wurde die Ausstellung organisiert und mit Hilfe von Schriftführer, Leutnant Hendrik Westhölter und dem Adjutanten des Oberst, Oberleutnant Jan Kaplan (vl.)sowie Ehrenmitglied ,Hauptmann Theo Ostermann umgesetzt.

Eingeladen sind alle Mitglieder sowie deren Familien und Freunde. Wer möchte, kann sich bei Oberst Frank Beier zu einer kleinen Erkundung der Distille anmelden (E-Mail: oberst@buergerschuetzen-ahlen.de).

Bernhard Münstermann, Major und Oberst von 1887 – 1922

Von links: Hauptmann Egon Holtermann, Oberleutnant Wilhelm Knappschäper, Major Josef Detmar, Oberst Franz Neuhaus, Oberleutnant Heinrich Westhölter, Leutnant Bernhard Kemper-Vatheuser

Über die Vortragsreihe soll das Zusammenkommen von Mitgliedern gefördert werden, um die vielfältigen Aufgaben und die Bedeutung des Vereins für die Stadtgeschichte sowie das Brauchtum nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Quelle: AZ. Ch. Wolff

Im nassen und nebeligen November kümmert sich der harte Kern der Bürgerschützen eher um seine Pflichten die der Jagdschein verlangt. Trotzdem versammeln sie sich um 18 Uhr am Volkstrauertag, dem alten Heldengedenktag, auf dem Marktplatz und gedenken den Gefallenen und Verstorbenen des Vereins in Form der Kranzniederlegung der Stadt Ahlen.

Die Königskompanie huldigt dem 4. Bischof von Tours (371–397) mit der alten Tradition des Martingansessens. Es wurden wohl mehr alte Geschichten geteilt als Mäntel. Wichtig war allen, diesen Abend mit den Geburtstagskindern Walter Mentrup, Bobby Wöhlert und Herbert Faust teilen zu dürfen. Der Sprecher der Königskompanie Bernd Schulze Beerhorst stimmte alle Könige schon mal auf das nächste Großereignis des BSV ein: den Winterball der Bürgerschützen am 15. Januar 2021 in der Stadthalle Ahlen.

Es war fast schon wie ein nachgeholtes Schützenfest, als sich Offiziere und Jungschützen des Bürgerschützenvereins Ahlen zum Biwak trafen.

Für viele Bürgerschützen war es das erste Wiedersehen im grünen Rock seit über zwei Jahren und zugleich ein Gefühl wie bei einem nachgeholten Schützenfest: Offiziere und Jungschützen veranstalteten am Samstag, den 11.11.2021 ein gemeinsames Biwak auf dem Hof Bolsenkötter, bei dem einfach alles passte – vom Wetter bis zur Stimmung.

Begrüßt wurden die angemeldeten Mitglieder mit einer silbernen Erinnerungsgabe, die Raphael Fischer gestaltet hatte. Die stilisierte Darstellung des Coronavirus, kombiniert mit drei Puzzleteilen, die symbolisch für Zusammenhalt im Bürgerschützenverein stehen, trug jeder Besucher stolz am Revers. Vorsitzender Horst Schenkel freute sich, welch gute Resonanz die Einladung gefunden hatte und begrüßte später auch den heimischen Landtagsabgeordneten Henning Rehbaum.

Kameradschaft auf harte Probe gestellt

„Die vergangenen zwei Jahre haben unsere Kameradschaft auf eine harte Probe gestellt“, sagte Oberst Frank Beier. „Ohne persönliche Treffen unsere Gemeinschaft zu pflegen, ist nur eine gewisse Zeit möglich. Umso mehr freue ich mich über die zahlreiche Teilnahme an diesem Biwak.“ Besonderen Dank richtete der Schützenbataillonskommandeur an die Gastgeber Aline, Charlotte und Hendrik Koch sowie das Organisationsteam aus Jungschützen und Führungsoffizieren.

Schützenbataillonskommandeur Oberst Frank Beier mit seinem Adjutanten Oberleutnant Jan Kaplan (v.l.n.r.)

Gastgeber Major Hendrik Koch

„Ich bin stolz auf euch“, bekannte Beier und leitete gleich zu einer Ehrung für besondere Verdienste über. Zunächst ging es um Lennart Hartmann, der sich als Quartiermeister stark engagiert. „Nur Schittken Brüggemann kann einschätzen, wie viel Arbeit dieses Amt mit sich bringt“, so der Oberst. Seine starke Vereinsbindung habe in den vergangenen zwei Jahren auch Josef Ostermann unter Beweis gestellt. „Er spürt Fördertöpfe auf, wenn Fahnen oder Schellenbaum restauriert werden müssen oder ein Buch gedruckt werden soll.“

Ein kräftiges „Horrido“ auf Julius Heuser

Später wurde es spannend, denn endlich durften die Jungschützen wieder einen Schießwettbewerb austragen und einen eigenen Regenten ermitteln. Den entscheidenden Treffer erzielte dabei Oberstabsfeldwebel Julius Heuser, der gleich frenetisch gefeiert wurde. Ein kräftiges „Horrido“ aus den Kehlen seiner Kameraden ertönte, bevor ihm mit der traditionellen Bierdusche die Jungkönigswürde übertragen wurde. Nebenbei hatte Heiner Gosda als Jungschützenchef noch einige Beförderungen ausgesprochen und mehrere Anwärter aufgenommen.

Musikalisch begleitet wurden die Schützen vom Modern Wind Orchestra unter Leitung von Tristan Iser. Neben dem Ohrenschmaus kam auch der Gaumenschmaus nicht zu kurz. Die Bürgerschützen wurden mit deftigen Speisen bestens verpflegt.

Quelle: AZ, Christian Wolff

 

Nach über zwei Jahren Zwangspause haben die Bürgerschützen am Mittwochabend in der Stadthalle ihre Jahreshauptversammlung abhalten können. Ergebnis: Der wiedergewählte Vorsitzende Horst Schenkel steht auch in den kommenden drei Jahren an der Spitze des Vorstandsteams.

Im großen Saal der Stadthalle konnte jeder Teilnehmer an einem eigenen Tisch Platz nehmen und so Abstand zu seinem Nachbarn halten. Zunächst richtete der Vorsitzende sein „Horrido“ besonders an die Ehrenmitglieder Theo Ostermann, Bernhard Schulze Beerhorst und Udo Hinkelmann sowie an den seit zwei Jahren amtierenden König Thomas Klotz. Nach dem traditionellen Totengedenken startete Horst Schenkel seinen Vorstandsbericht, der aufgrund des Ausfalls der Schützenfeste sowie weiterer gesellschaftlicher Treffen recht kurz ausfiel. „Der Schatten der Pandemie liegt noch immer über uns und unser Vereinsleben wurde bis ins Mark getroffen. Soziale Kontakte fanden wenig bis gar nicht statt“, fasste Schenkel das Geschehen zusammen.

Die Zeit in der Pandemie sei trotzdem für einige erfolgreiche Projekte wie die Restaurierung der Vereinsfahne, die Aufarbeitung des Schellenbaums und das Buchprojekt über die Königsorden des Bürgerschützenvereins genutzt worden, berichtete er. Ein Dankeschön für die Umsetzung der Projekte ging dabei an den Inventarienverwalter Josef Ostermann. Den Dank gab dieser an alle weiter, die ihn bei der Umsetzung der Projekte unterstützt haben. Weiteres Lob ging an Heiner Gosda, unter dessen Leitung in regelmäßigen Abständen eine Arbeitsgruppe tagt, die sich aktiv mit möglichen Verbesserungen der Vereinsveranstaltungen beschäftigt. Beim militärischen Vorstand – Oberst Frank Beier, Major Hendrik Koch-Jaspert und Adjutant Jan Kaplan – bedankte sich Horst Schenkel ebenfalls, denn sie hatten eine Fahrradtour auf die Beine gestellt und laden am 11. September zu einem Biwak für alle Jungschützen und Offiziere ein. Ob der Winterball 2022 stattfinden kann, ist noch ungewiss. Der Vorsitzende ließ auch offen, ob das Schützenfest 2022 stattfinden kann. Die Entscheidung darüber falle im Frühjahr.

Der Bericht des Schatzmeisters Thomas Klotz basierte auf der Grundlage einer soliden Kassensituation und vor dem Hintergrund einer aktuellen Mitgliederzahl von 436 Personen. Kassenprüfer Hendrik Westhölter beantragte anschließend die Entlastung des Kassenwartes sowie des gesamten Vorstands. Die positive Abstimmung erfolgte einstimmig. Ebenfalls unter der Leitung von Hendrik Westhölter stimmten die Mitglieder für die Wiederwahl des Vorsitzenden Horst Schenkel. Bis auf Schriftführer Oliver Rasfeld, der sich auf eigenen Wunsch nicht mehr zur Wahl stellte, wurden folgende Schützenbrüder in ihren Ämtern bestätigt: Vize- Vorsitzender Holger Steinhoff, Schatzmeister Thomas Klotz, stellvertretender Schriftführer Peter Grebenstein, Inventarienverwalter Josef Ostermann, Schießwart Patrick Sunderkemper, Musikinspizient Marcel Jäger, Quartiermeister Lennart Hartmann, Presseoffizier Dirk Rösner, Justiziar Karsten Havighorst und Kinderfestorganisator Philipp Frenz. Zum neuen Kassenprüfer wurde Heiner Büscher gewählt.

Quartiermeister Oberleutnant Lennart Hartmann, 1. Vorsitzender Hauptmann Horst Schenkel, Justiziar Schütze Karsten Havighorst, Schriftführer Leutnant Hendrik Westhölter, Oberst Frank Beier, Presseoffizier Oberleutnant Dirk B. Rösner, Hauptmann der Jungschützen Heiner Gosda, Seine Majestät und Schatzmeister Oberleutnant Thomas Klotz, 2. Vorsitzender Oberleutnant Holger Steinhoff, Schießhauptmann Patrick Sunderkemper, Inventarienverwalter Oberleutnant Josef Ostermann(v.l.)
Bild: Archiv des BSV / Foto: Werner Fechner

Als Nachfolger für den nach 20 Jahren aus seinem Amt geschiedenen Schriftführer Oliver Rasfeld wählten die Bürgerschützen Hendrik Westhölter. Neben Dank, Anerkennung und Wertschätzung für seine Arbeit nahm Rasfeld noch einen Präsentkorb aus der Hand seiner Vorstandskollegen entgegen.

1. Vorsitzender Horst Schenkel, Schriftführer Oliver Rasfeld, 2. Vorsitzender Holger Steinhoff, Schatzmeister Thomas Klotz (v.l.)
Bild: Archiv des BSV / Foto: Werner Fechner

Gegen Ende der Versammlung hörten die Schützen noch kurze Berichte von Bernhard Schulze Beerhorst über die Königskompanie, Frank Beier über das Offizierskorps und Heiner Gosda über die Jungschützen.

Text und Fotos: Werner Fechner

Jahrzehntelang war er wie selbstverständlich dabei, wurde gut sichtbar vorangeführt, wenn der Bürgerschützenverein feierlich durch die Straßen zog. Der wahre Wert des Schellenbaums hat sich vielen Aktiven jedoch erst jetzt erschlossen, als Inventarienverwalter Josef Ostermann im Zuge der Restaurierung des historischen Objekts in den Annalen stöberte. „Wir können die Geschichte des Schellenbaumes bis ins Jahr 1835 zurückverfolgen“, so Ostermann. Ausleihen an andere Gruppierungen, zum Beispiel an den damaligen Kriegerverein Ahlen, seien ebenfalls belegt. Die Aufarbeitung der „Fahne der Musik“ übernahm der Fachbetrieb Böcker in Drensteinfurt (wir berichteten). Finanzielle Schützenhilfe leistete dabei die Heimatförderung des Landes Nordrhein- Westfalen, weshalb es sich der heimische CDU Landtagsabgeordnete Henning Rehbaum nicht nehmen ließ, der offiziellen Rückgabe des Schellenbaums an den erweiterten Vorstand im Garten des BSV-Vereinslokals „Chagall“ beizuwohnen. Stellvertretend nahm Vorsitzender Horst Schenkel den neuerdings mit einer Fahne bestückten Schellenbaum entgegen. „Heimat ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe der Flamme“, wählte Rehbaum ein bekanntes Zitat, um seine Motivation zu begründen, diese Maßnahme zu unterstützen. „Dieses Objekt ist ein greifbares Stück Geschichte. Wenn wir es in der Gegenwart erhalten, geben wir es kommenden Generationen an die Hand.“

Bürgerschütze Henning Rehbaum (MdL,4.v.r.) hatte sich im Heimatministerium für die Restaurierung des Schellenbaums eingesetzt. Der feierlichen Rückgabe wohnten bei: Hauptmann Theo Ostermann als Ehrenmitglied, Oberleutnant Thomas Klotz als amtierende Majestät, Oberleutnant Holger Steinhoff als II. Vorsitzender, Oberleutnant Dirk B. Rösner als Presseoffizier, Hauptmann Horst Schenkel als I. Vorsitzender, Oberleutnant Jan Kaplan als Adjutant des Oberst, Oberst Frank Beier, Schießhauptmann Patrick Sunderkemper, Oberleutnant Josef Ostermann als Inventarien Verwalter und Hauptmann Norbert Deitermann als Hauptmann der III. Kompanie (v.l.). Foto Leutnant Christian Wolff